Die Diener feiern 155 Jahre Einwanderung
Am 4. Mai 2024 fand in São Bento do Sul, SC, das VIII. Dienerfest statt, zur Feier des 155. Jahrestages der Einwanderung der Familie Diener nach Brasilien. Es war ein großes Treffen mit 98 Teilnehmern aus verschiedenen Städten und Bundesstaaten Brasiliens, darunter auch unser Cousin Mario Colin, Präsident der AAEBR – Vereinigung der Österreicher im Ausland, Zweigstelle Brasilien.
Die Geschichte der Diener begann, als der Patriarch Johann Kristean Diener, verwitwet und 73 Jahre alt, im Jahr 1869 aus der Stadt Rosshaupt in Böhmen, damals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie, zusammen mit seinen drei verheirateten Söhnen und den jeweiligen Enkeln nach Brasilien aufbrach. Johann Kristean wurde am 6. Juli 1796 in Schoenwald, Böhmen, geboren. Er war das zweite von neun Kindern des Ehepaars Anton Diener und Regina Pauli. Johann Kristean, von Beruf Schneider, heiratete am 21. Februar 1819 im Dorf St. Katharina Catharina Seitz.
Die wirtschaftliche Lage jener Zeit war sehr angespannt, vor allem aufgrund der Konflikte zwischen Frankreich, Deutschland und Italien. Der Krieg zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866, bei dem Sachsen auf der Seite Österreichs kämpfte, löste eine Welle von Not und Arbeitslosigkeit aus. Es war üblich, dass ganze Familien ihre kleinen Besitzungen verließen, um der Steuerverfolgung zu entkommen.
Am 10. April 1869 verließ das Schiff „Electric“ den Hafen von Hamburg, Deutschland, mit 719 Passagieren an Bord, unter ihnen Johann Kristean und seine verheirateten Söhne: Georg (45 Jahre alt), Johann der Sohn (38 Jahre alt) und Anton (34 Jahre alt). Georg und Johann der Sohn waren mit den Schwestern Anna und Barbara Blobner verheiratet. Anton war mit Catharina Lampalzer verheiratet. Sie brachten auch ihre Kinder mit – insgesamt 12 Kinder.
Die Zeitung „Kolonie-Zeitung“ von Joinville berichtete in der Ausgabe vom 12. Juli 1869 auf Seite 4 in einem Artikel mit dem Titel „Colônia Dona Francisca“ über die Ankunft des Schiffes Electric am Hafen in der Nacht des 31. Mai. Die Einwanderer trafen am 3. und 4. Juni in Joinville ein, wo sie empfangen wurden.
Die Diener ließen sich in Joinville nieder, wo die Familie von Georg in der „Katharinenstrasse“ wohnte, der heutigen Rua Getúlio Vargas. Von jener Zeit bis heute hat sich die Familie stark verzweigt. Der Forscher Douglas Moeller Diener und sein Cousin Marcio Porto haben bisher 2.598 Personen erfasst. Während des VIII. Dienerfest wurde ein 16 Meter langer Stammbaum ausgestellt. Der bisher älteste bekannte Vorfahre der Linie ist Albust Deynar, geboren um 1550.
Durch die Forschungen wurde entdeckt, dass es im heutigen Österreich einen Ort namens Dienersdorf gibt sowie einen Berg mit dem Namen Dienersberg. Außerdem existiert die Dienerstraße in München, Deutschland. Eine weitere interessante Tatsache ist, dass die erste bekannte Erwähnung des Namens Diener aus dem Jahr 1303 in München stammt – Chunrat der Diener (Konrad der Diener), der zu einer Familie mittelalterlicher Ritter aus Deining südlich von München gehörte.
Immer wieder werden neue Fakten über die Familiengeschichte entdeckt. Und die aktive Teilnahme der Familienmitglieder hat nicht nur zum Erfolg der Dienerfeste beigetragen, sondern auch zur Erweiterung der genealogischen Forschung der Familie Diener um neue Fakten, alte Fotos und interessante Details.
Douglas Moeller Diener – Genealoge
Curitiba, Dezember 2024


